Skip to content

Weser Kurier vom 27.04.2017

Straßengestaltung im Viertel

Anwohner sind gegen Asphalt und für Pflaster

Liane Janz Weser Kurier vom 27.04.2017

Anwohner im Viertel wollen keine asphaltierten Straßen. In der Hollerstraße beispielsweise setzen sie sich dafür ein, dass die Straße gepflastert bleibt und schließen sich in Initiativen zusammen.

© Roland Scheitz

Blick in die Hollerstraße, die in Kürze asphaltiert werden soll. (Archivbild von der Einweihung des ersten Bremer Mobilpünktchens.) (Roland Scheitz)

Weg mit den bisherigen Standards: Ihr Amt solle bei der Straßengestaltung Beläge wählen, die lärmarm, radfahrerfreundlich, barrierefrei und günstig seien, sagt Brigitte Pieper, die Leiterin des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV). Das Pflasterkataster spielt damit keine Rolle mehr. Was das für den Sielpfad bedeutet, haben Brigitte Pieper und ihre Mitarbeiterin Meike Jäckel den Anwohnern am Montagabend im Alten Fundamt erklärt. Die Anwohner der Hollerstraße wissen seit wenigen Wochen, dass sie Asphalt bekommen sollen. Zwei Bürgeranträge dazu sind am Dienstagabend im Fachausschuss „Nachhaltige Mobilität“ des Beirats Östliche Vorstadt behandelt worden.

Im Sielpfad will Hansewasser voraussichtlich ab November den rund 110 Jahre alten Kanal erneuern. Das gehe wegen der starken Schäden nur in offener Bauweise, sagte der Projektverantwortliche von Hansewasser, Felix Jacobs, im Alten Fundamt. Bereits ab Mai wird der Borchersweg wegen einer Kanalsanierung aufgerissen. Im Sielpfad wird zunächst der Teil von Kreuzstraße bis Borchersweg aufgemacht, dann wird der Teil bis zum Wendekreis aufgerissen und die Straße von der Kreuzstraße bis zum Wendeplatz gesperrt.

Sind die Kanalarbeiten beendet, sollen Betonpflastersteine verlegt werden. Der Sielpfad ist von Hauswand zu Hauswand nur 5,80 Meter breit. Da sei das Aufbringen von Asphalt recht schwierig, sagte Meike Jäckel, weshalb Betonstein ausgewählt worden sei. Die Anwohner aber hätten ihren Wesersandstein gern nach den Bauarbeiten zurück.

Die eigentliche Debatte entfachte sich dann an der Parksituation: Häufig werde so dicht an den Häusern geparkt, dass die Anwohner kaum aus der Tür kämen. Die illegal parkenden Autofahrer seien fast ausschließlich Auswärtige, die abends im Viertel feiern oder bei schönem Wetter an den Osterdeich gehen. Denn eigentlich herrsche dort ein Parkverbot, an das sich nur niemand halte, berichteten Nachbarn. Zwar kontrolliere das Ordnungsamt regelmäßig, aber nicht abends. „Ab 20 Uhr ist da Narrenfreiheit“, sagte ein Anwohner. Passieren dürfe in der Straße nichts, denn die Feuerwehr oder der Krankenwagen komme nicht durch, wenn dort Autos parken.

Amt schlägt Spielstraße vor

Das ASV schlug den Anwohnern eine Gestaltung als verkehrsberuhigten Bereich vor. Dann würde am Anfang der Straße das blaue Spielstraßenschild aufgestellt, das Fahrer zu Schrittgeschwindigkeit und erhöhter Aufmerksamkeit auffordert. Viele Anwohner äußerten Zweifel, dass sich Autofahrer daran halten. Die jetzigen Schilder ignorierten sie schließlich auch. Ein Vorschlag war, den Sielpfad nur für Anwohner freizugeben. Da er eine Sackgasse ist, würde das den Verkehrsfluss nicht behindern. Eine Anwohnerin fragte, ob sie die Spielstraße denn auch als solche gestalten könnten, beispielsweise mit Bänken und Blumenkübeln. Ortsamtsleiterin Hellena Harttung schlug vor, Fahrradbügel so aufzustellen, dass sie zumindest die Haustüren vorm Zuparken schützen. Anwohnerinnen und Anwohner des Sielpfads haben jetzt bis 10. Mai Zeit, eigene Gestaltungsvorschläge beim Ortsamt einzureichen. Es wird dann ein Entwurf erarbeitet, über den der Beirat Östliche Vorstadt abstimmen wird. „Es ist nicht so, dass alles, was der Beirat beschließt, auch umgesetzt wird“, sagte Hellena Harttung in Richtung der ASV-Vertreterinnen. In der Ritterstraße hat sich der Beirat vergebens hinter die Anwohnerforderung nach Pflaster gestellt.

Kritik äußerte die Ortsamtsleiterin an der mangelnden Kommunikation der Behörde in Sachen neue Gestaltungsregeln. Auf der Sitzung des Fachausschusses „Nachhaltige Mobilität“ kündigte sie an, dass die Beiräte das Gespräch mit der Staatsrätin zu diesem Thema suchen wollen. In der Hollerstraße haben sich die Anwohner bereits zu einer Initiative zusammengefunden, die auf der Basis des ASV-Vorschlags einen eigenen Plan für die Gestaltung ihrer Straße erarbeitet hat. Die Hollerstraße will Hansewasser ab Ende Oktober aufreißen. Nach der Kanalsanierung soll statt Wesersandstein Asphalt verlegt werden. Die Anwohner sind dagegen.

Initiativen verbünden sich

In zwei Bürgeranträgen, die sie beim Ortsamt eingereicht und an das ASV geschickt haben, ist auch die Rettungssicherheit Thema. Die Hollerstraßenanwohner möchten die Gehwegnase hinter dem „Bellini“ verkleinern, damit die Feuerwehr von der Schmidtstraße aus um die Ecke kommt, ohne über den linken Fußweg zu fahren. Dann könnten vor dem Nixen-Wandbild Poller gegen Parker aufgestellt werden. Die Anwohner wünschen sich für beide Einmündungen der bogenförmigen Holler- in die Schmidtstraße Hochpflaster –  eine Schranke an die nördliche Einmündung der Einbahnstraße oder die Umwidmung in eine Anwohnerstraße ist als Idee noch nicht vom Tisch. Die Anwohner wollen weiter um ihren Wesersandstein kämpfen. Es gebe niemanden in der Hollerstraße, der Asphalt schön und dem Viertel angemessen finde, sagte Klaus Schlösser auf der Ausschusssitzung. „Uns geht es um die Transparenz der Entscheidung“, sagte seine Nachbarin Doris Schulze. Man wisse nicht, womit die Behörde kalkuliere. „Aus Verzweiflung fragt man dann selber rum“, ergänzte Klaus Schlösser.

Auch in der Ritterstraße, die aufgerissen ist, haben Amt und Anwohner lange diskutiert und auch keine konkreten Zahlen genannt bekommen. Die Anwohnerinitiative Hollerstraße wolle mit der Initiative Ritterstraße  zusammenarbeiten und das Pflasterthema auf die gesamte Östliche Vorstadt ausweiten, teilte Matthias Lange aus der Hollerstraße nach der Ausschusssitzung mit.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.