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WESER KURIER vom 03.04.2017

Die Hollerstraße bekommt ihr Pflaster nicht zurück − Anwohner denken über eine private Teilfinanzierung nach

Nixe blickt bald auf Asphalt

Liane Janz 03.04.2017 WESER KURIER

Steintor. Nebenstraßen, unabhängig davon, ob sie im Pflasterkataster stehen oder nicht, werden künftig asphaltiert. Botin dieser senatorischen Anordnung war Meike Jäckel, Mitarbeiterin beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV), die zusammen mit Vertretern von Hansewasser auf einer Anwohnerversammlung im Alten Fundamt über die ab Herbst anstehenden Bauarbeiten in der kleinen bogenförmigen Hollerstraße informiert hat. Ab Ende Oktober will Hansewasser dort den Kanal und rund 45 Hausanschlüsse sanieren und muss dafür die Straße und an etlichen Stellen den Fußweg aufreißen. Nach der Kanalsanierung soll die Straße eine Asphaltdecke und einen roten Rinnstein bekommen – aus Kostengründen.

Das große Wandbild am nördlichen Ende der Hollerstraße gehört zum modernen Stadtbild, das Pflaster zum historischen.

„Ich habe die feste Vorgabe, den Plan so umzusetzen“, sagte Meike Jäckel. Über den Fahrbahnbelag sei sie nicht zu diskutieren bemächtigt. Damit erntete sie die Kritik, die die Bürger gern an den Senator gerichtet hätten. Sie möchten ihr historisches Pflaster, das dort seit Generationen, möglicherweise sogar seit über einem Jahrhundert liegt, behalten. Es trage zum Charme und zur Atmosphäre der Straße bei, zum historischen Andenken und zu einem gemütlichen Zuhause, lauteten die Argumente dafür. Zu teuer, lautet so ziemlich das einzige Argument dagegen. Damit sei nicht nur das Material an sich gemeint – auch wenn etliche Wesersandpflastersteine wiederverwendet werden könnten, müssten viele kaputte ersetzt werden –, sondern auch die handwerkliche Arbeit. Pflaster zu verlegen und es gut zu verlegen, braucht Zeit und Fertigkeiten, und das kostet.

Deshalb wurde bei den Anwohnern, die zahlreich ins Alte Fundamt strömten, an dem Abend die Idee einer Bürger-Teilfinanzierung geboren. Über Spenden und Crowdfunding könnten die Mehrkosten zusammengetragen werden. Nach einer ersten, spontanen Schätzung der Hansewasser-Vertreter könnte es sich bei den rund 116 Metern Straße um 35000 Euro handeln.

Einige Beiratsmitglieder bezogen gleich Stellung zu der Idee: Dagegen sprachen sich Steffen Eilers (Grüne) und Helmut Kersting (Linke) aus, weil ein solches Modell dazu führen könnte, dass es von der Finanzkraft ihrer Bewohner abhinge, ob eine Straße schön gestaltet ist oder nicht. Jürgen Schultz (FDP) wollte die Idee nicht gleich verteufeln, weil das Geld der einzige politische Hebel sein könnte, der den Anwohnern noch bliebe.

Eine ähnliche Idee hatten zuletzt auch Anwohner der Ritterstraße, die sich lange  für eine Pflasterung ihrer Straße, die derzeit aufgerissen ist, eingesetzt hatten. Weiterverfolgt worden ist die Idee nicht. In der Hollerstraße könnte sie aufgegriffen werden. Zunächst wollen die Anwohner der kleinen Bogenstraße ausloten, ob es eine einstimmige Mehrheit für Pflaster und dann auch die Bereitschaft zu einer finanziellen Beteiligung gibt. Dann könnten sie den Beirat Östliche Vorstadt in die Pflicht nehmen, sich mit ihnen für ihr Anliegen einzusetzen. „Und dann müssten wir einen Bausenator haben, der mit uns auch mal redet“, sagte ein Anwohner.

In dieselbe Kerbe schlug Beiratsmitglied Harald Klussmeier (Grüne): „Frau Jäckel, ich find das wieder mal schlimm, dass Sie hier sind, sich die Prügel einfangen dürfen, und die Leute, die das entscheiden, nicht den Mumm haben, hier mal aufzukreuzen.“ Und Steffen Eilers sagte zu der Asphalt-Entscheidung: „Ich bin zutiefst irritiert, dass das aus dem grünen Bauressort kommt.“

Zwei Dinge, die die Anwohner  außerdem beschäftigen, sind eine Verkehrsberuhigung und die unsägliche Parksituation. Gegenüber dem Mobil-Pünktchen hinter dem Restaurant Bellini, das es auch nach der Sanierung wieder geben soll, parken regelmäßig in den Abendstunden Autos illegal aufgesetzt auf dem Fußweg. Selbst Kleinwagen kämen da nur mit eingeklappten Seitenspiegeln durch, beschrieb ein Anwohner. Für die Feuerwehr sei es unmöglich, sich im Brandfall den Weg in die Hollerstraße zu bahnen. Ob dort nicht Poller oder Blumenkübel aufgestellt werden können, fragten Anwohner. „Das Feuerwehrfahrzeug braucht den Gehweg als Überhang“, sagte Meike Jäckel, also könne auf dem Fußweg nichts installiert werden. Sie selbst brachte die Idee eines Hochbords ins Spiel.

„Die Feuerwehr kriegt einen Blumenkübel einfacher weg als einen Lieferwagen“, antwortete ein Anwohner. Ein anderer schlug vor, die Einbahnstraßenregelung für die Straße umzukehren. Wenn die Autofahrer erst ums Karree fahren müssen, um dort zu parken, überlegen sie es sich vielleicht. Das Problem will die ASV-Mitarbeiterin mitnehmen und Möglichkeiten prüfen, was an der Stelle das Wildparken verhindern könnte.

Eine zweite Sache ist eine Verkehrsberuhigung selbst in dieser kleinen Straße. Denn schon jetzt auf Pflaster bretterten die Autos um die Kurve, berichtete eine Anwohnerin. In der Straße wohnen viele Kinder, die auch mal draußen spielen. Ob man die Straße, die keine Durchgangsstraße ist, nicht als Anliegerstraße kennzeichnen könnte, fragte die Anwohnerin. Auch dieser Vorschlag landete auf der Prüfliste.

„Ich habe die feste Vorgabe, den Plan so umzusetzen.“ Meike Jäckel

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