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Runder Tisch „Straßen im Viertel“ legt Positionspapier vor

Runder Tisch „Straßen im Viertel“ legt Positionspapier vor

Sigrid Schuer 12.12.2018 Weser Kurier
Der Runde Tisch „Straßenverkehr“ hat eine gemeinsame Abschlusserklärung zum Pflaster im Viertel vorgestellt. Nun soll es „Frieda“ richten.
Für den Runden Tisch „Straßen im Viertel“ ist „Frieda“, der behauene Naturstein, das Idealmodell für die Pflasterung im Ostertor, Steintor und Fesenfeld. (Kai-Ole Hausen)

Naturstein-Großpflaster, Naturstein-Mittelpflaster oder doch lieber Betonsteinpflaster in Natursteinoptik? Und Blauer Basalt? Geht gar nicht, da viel zu rutschig für Fahrradfahrer. Dann doch lieber „Frieda“, diesen behauenen Naturstein haben die Mitglieder des Runden Tisches „Straßen im Viertel“ zu einem ihrer Lieblingsmodelle erkoren. Im Laufe des achtmonatigen Diskussionsprozesses sind viele Teilnehmer des Runden Tisches zu wahren Pflasterstein-Experten geworden.

„Wir haben zu diesem Zweck sogar Exkursionen unternommen“, erzählte Klaus Schloesser, Mitglied der Bürgerinitiative, auf der gemeinsamen Sitzung der Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt im Bürgerhaus Weserterrassen. Die stimmten dem „epochalen Schritt“, als den Ortsamtsleiterin Hellena Harttung das gemeinsame, finale Konzept des Runden Tisches „Straßen im Viertel“ wertete, nun einstimmig zu.

Die Mitglieder haben eine mehrseitige, ausgeklügelte Abschlusserklärung für das Viertel erarbeitet, das Kai-Ole Hausen, der den Diskussionsprozess als Mediator und Moderator begleitet hatte, nun auf der Beiratssitzung vorstellte. Damit ist das Kriegsbeil zwischen Pflaster- und Asphalt-Anhängern, die sich noch vor knapp zwei Jahren gnadenlos bekämpften und zuletzt nicht einmal mehr ein Wort wechselten, endgültig begraben. Entzündet hatte sich der Konflikt damals daran, dass Hansewasser nach nötigen Kanalbauarbeiten die Straßen im Oster- und Steintor sowie im Fesenfeld einfach begann, zu asphaltieren.

Barrierefreiheit wichtigster Punkten

Sehr zum Unwillen vieler betroffener Anwohnerinnen und Anwohner. Auf dem Höhepunkt des Konfliktes war der Runde Tisch ins Leben gerufen worden. Dort hatten alle Betroffenen eine Stimme. An ihm saßen nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner, sondern auch Mitglieder der beiden Beiräte aller Parteien, aber auch Albrecht Genzel vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück sowie Jens Deutschendorf, Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr. Außerdem mit dabei: Vertreter der Architektenkammer, des Landesamtes für Denkmalpflege und des Amtes für Straßen und Verkehr. All diese Interessen wurden in dem jetzt präsentierten Konzept berücksichtigt.

Nach insgesamt 13 Sitzungen sei ein gemeinsames, tragfähiges Kompromisspapier beschlossen worden, bilanzierte Schloesser, zu dessen wichtigsten Punkten die Barrierefreiheit im Viertel zählt. „Wir haben eine Exkursion per Rollator oder Rollstuhl unternommen und dabei festgestellt, wie schwierig und unangenehm es ist, sich so durchs Viertel zu bewegen“, erzählte Klaus Schloesser. Das erarbeitete Konzept soll möglichst die nächsten 30 Jahre Gültigkeit haben und immer dann zur Anwendung kommen, wenn Hansewasser in einer der Straßen wieder mit Kanalsanierungsarbeiten beginnt. Dann soll das Kartierungs- und Kategorisierungs-Konzept greifen, das die Mitglieder des Runden Tisches ausgetüftelt haben. Das letzte Wort sollen dabei immer die Anwohner haben.

Das Konzept sieht die Aufteilung des Viertels in drei Kategorien vor. Unter die Kategorie 1 fallen die Fahrradhauptrouten. Das bereits vorhandene, typische Muster der Straßen der Kategorie 1 besteht demnach aus Fahrbahnen mit Asphalt und Nebenanlagen mit Betonstein (Gehwegplatten). Dieses Muster soll beibehalten werden (ausgenommen sind hier die separaten Radwegeverbindungen wie beispielsweise der Imre-Nagy-Weg). Seitliche Rinnen werden in dem zukünftig verwendeten Betonstein in Natursteinoptik des Viertels hergestellt.

Dafür favorisieren die Mitglieder des ­Runden Tisches exemplarisch das Modell Frieda des Anbieters Niemeier. Entscheidend hierfür ist Friedas Anmutung wie behauener Naturstein durch Farbspiel und Oberflächenstruktur und das Faktum, dass der Stein glatt verlegt werden kann, ohne rutschig zu sein. Radwege sollen langfristig entweder mit entsprechenden Mindestbreiten angelegt werden oder aber der Radverkehr soll auf der Fahrbahn geführt werden, um vor allem auch die Barrierefreiheit zu gewährleisten (zum Beispiel am Dobben und am Sielwall). „Der Straßenzug Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor stellt dabei eine Sondersituation dar, die nicht abschließend behandelt wurde“, betonte Kai-Ole Hausen.

Zur Herstellung der Fahrradfreundlichkeit

In die Kategorie 2 fallen Quartiersquerungen für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer. Zur Herstellung der Fahrradfreundlichkeit wird die Fahrbahn in Betonstein mit Natursteinoptik des Viertels ausgeführt. Parkstreifen werden je nach Breite des Straßenprofils (einseitig oder zweiseitig) in Naturstein angelegt. Fahrbahnen von Straßenabschnitten, die bereits komplett in Asphalt oder zu mehr als 50 Prozent mit Asphalt hergestellt sind, sollen wie gehabt erhalten bleiben. Auf der Liste der Asphaltstraßen stehen Abschnitte der Horner Straße, der Bleicher-, der Mozart-, der Ruten-Straße sowie der Salvador-Allende-Straße, Bohnen-, Manteuffel- und Graf-Haeseler-Straße, Abschnitt Hemelinger Straße, Peterswerder.

Aufgrund ihrer aus Sicht des Denkmalschutzes herausgehobenen Bedeutung werden die Herderstraße, Mathildenstraße und die Kohlhökerstraße in geglättetem Naturstein-Großpflaster oder fahrradfreundlichem Naturstein-Mittelpflaster ausgeführt. Die Gehwegbreite soll in der Regel mindestens 1,50 Meter (Mindestbreite ein Meter an punktuellen Engstellen – bis maximal ein Meter in der Länge) betragen.

In die Kategorie 3 fallen Anwohnerstraßen. Zur Erhaltung des historischen Stadtbildes sollen Anwohner-Straßen weitestgehend in ihrer bisherigen Form wiederhergestellt werden. Das vorhandene Natursteinpflaster soll dabei möglichst wiederverwendet und gegebenenfalls durch gleichartiges Bestands­material ergänzt werden. Anwohner-Straßen, die derzeit noch in Asphalt ausgeführt sind, sollen künftig im Sinne der Pflege des historischen Stadtbildes wieder in Naturstein­pflaster, das heißt in der Regel mit Granit-Großpflaster ausgeführt werden. Befürworten allerdings Zweidrittel der Anwohner für ihre Straße eine alternative Entscheidung, wie die Verlegung von Betonstein in Natursteinoptik, dann kann hierzu der Beirat für eine entsprechende Entscheidung angerufen werden.

Zur Erhöhung der Fahrradfreundlichkeit werden Anwohner-Straßen durch einen einspurigen Angebotsstreifen in Natursteinoptik (mindestens 60 bis 80 Zentimeter) ergänzt. Die technische Ausführung wird zwischen dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und dem Amt für Straßen und Verkehr unter Einbeziehung von externen Fachleuten und Berücksichtigung von praxiserfahrenen Kommunen abgestimmt.

Mit Beteiligung der Anwohner

Bei der Wiederverwendung von Granit-Mittelpflaster soll künftig ein ergänzender Angebotsstreifen verzichtbar sein. „Aufgrund der aus Sicht des Denkmalschutzes herausgehobenen Bedeutung, wird in der Besselstraße das vorhandene Natursteinpflaster wieder verwendet oder neues Natursteinpflaster eingesetzt. Der einspurige Angebotsstreifen soll für Radfahrende in geglättetem Natursteinpflaster angelegt werden“, erläuterte Hausen.

Die Gehwegbreite soll mindestens 1,30 Meter (Mindestbreite ein Meter an punktuellen Engstellen – bis maximal ein Meter in der Länge) betragen. Straßen dieser Kategorie, in denen sich Mindestgehwegbreiten aufgrund des engen Straßenprofils nicht herstellen lassen, können als Mischverkehrsflächen (Wohnbereichsstraßen) mit Betonsteinpflaster in Natursteinoptik und durchgehender Leitlinie ausgewiesen werden.

Alternativ kann bei der Erhaltung des gegebenen Straßenprofils die gesamte Fahrspur in rollstuhl-tauglichem Mittelpflaster gestaltet werden. Über die ­konkrete Lösung soll der Beirat mit Beteiligung der Anwohner entscheiden. „Die wertschätzende und transparente Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner ist eine entscheidende Grundlage für die Akzeptanz und Tragfähigkeit der gefundenen Lösungen“, betonte Baustaatsrat Jens Deutschendorf denn auch.

„Die Mitglieder des Runden Tisches haben sich ferner darauf geeinigt, dass die Gehwege im gesamten Viertel von abgestellten Fahr­rädern durch Einrichtung von mindestens fünf Bügeln im Abstand von 50 Metern er­folgen soll. Außerdem soll künftig eine Ausweichmöglichkeit durch Gehwegaufweitungen und glatte Querungen in den Straßen­mitten im Abstand von 100 Metern für alle Straßen im Viertel eingerichtet werden“, re­sümierte Kai-Ole Hausen. „Für Blinde und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sollen drei Zentimeter hohe Borde als durchgängiges Prinzip für alle Straßen eingeführt werden“.

Mit im Blick gehabt habe man dabei immer die finanzielle Machbarkeit des Konzeptes, so Klaus Schloesser. Und so könnte das Konzept Modellcharakter für die übrigen Bremer Quartiere haben, wenn es so als Vorlage für die Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung, Energie und Landwirtschaft gegeben und anschließend von der Bürgerschaft beschlossen wird.

Ende gut alles gut? „Die Realität wird das zeigen“, resümierte Ortsamtsleiterin Hellena Harttung.

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